Die Gärtnerei Schnelles Grünzeug

„Bio“ ist nicht genug. „Nachhaltig“ auch nicht.

Bis ins Jahr 2012 betrieb ich die Essbare – Landschaften – Gärtnerei. Sie war ziemlich einzigartig in Deutschland und in der Top-Gastronomie hoch angesehen. Und sie war eine zertifizierte BIOLAND-Gärtnerei.

Meine Gärtnerei ist nicht bio-zertifiziert

Diese Zertifizierung habe ich beendet. Dies hatte nicht den Grund, dass ich fortan freie Hand haben wollte in Richtung Gift und Synthetik-Düngern.

Mich hat die Bio-Zertifizierung nicht mehr überzeugt und die Aussage dahinter. Der Bio-Begriff wird absurd, wenn ich im Januar BIO-Heidelbeeren aus Chile kaufen kann.

Und er bleibt mehr als fraglich, wenn man unter „bio“ zunehmend nur eine ökogeschönte Fortführung der industriellen Landwirtschaft versteht. Von der Bio-Massentierhaltung mal ganz abgesehen. Das reine Fortlassen von Antibiotika, Wachstumsregulatoren, Herbiziden etc. reicht eben nicht.

Und trotzdem muss die Welt satt werden. Und das soll sie auch! Es reicht aber nicht, sich nur diesem Ziel zu stellen. Die Klimakatastrophe und der Artenschwund sind genau so bedrohlich für die Existenz der Menschheit, wie der Hunger.

Nachhaltigkeit ist zu wenig

Ich möchte eine Art des Gartenbaus  und der Landwirtschaft, die mehr ist als nachhaltig. Es genügt mir nicht mehr, der Natur nur das zu entnehmen, was auch wieder nachwächst oder ihr nur das zurück zu geben, was man ihr entnimmt.

Eine wirklich moderne Landbewirtschaftung sollte meines Erachtens das Ziel verfolgen, das bewirtschaftete Land fruchtbarer, artenreicher und damit auch profitabler zu hinterlassen, als man es vorgefunden hat.

Profit im Garten
Oftmals ist Ökobewegten das Streben nach Profit suspekt. Das ist dann verständlich, wenn es mit dem Streben nach ständiger Profitmaximierung verwechselt wird.
Ich betreibe eine profitable Gärtnerei, weil ich weder mich selbst noch meine Angestellten ausbeuten möchte. Gute Arbeit muss gut bezahlt werden. Eigenes Streben wird zum Vorbild, wenn man selber nicht unter dem leidet, was man tut.

Die Methoden, dies zu erreichen sind dabei durchaus vorhanden und sie sind erprobt. Aber sie haben sich bisher nicht durchgesetzt. Dies mag an der völlig verfehlten Agrarpolitik von EU, Bund und Bundesländer liegen. Auch die Naturschutzverbände haben ihren Anteil daran. Und das Knowhow wird in den Ausbildungsstätten und Beratungsinstitutionen nicht gelehrt. Fast überall sind konservative, lobbyistengesteuerte Vertreterinnen und Vertreter am Werk. Die Bäuerinnen und Bauern und die Gärtnerinnen und Gärtner halten nur zu oft an dem fest, was ihnen seit Jahrzehnten eingeflüstert wird und wohin sie in ihrer Subventionsabhängigkeit getrieben werden.

Moderne Ansätze

Seit Jahrzehnten befasse ich mich ganz praktisch und theoretisch mit diesen Themen. Die Gärtnerlehre, ein Gartenbaustudium, die Ausbildung zum Permakultur-Designer, der Betrieb zweier Gärtnereien sowie der Austausch mit den besten Praktikern direkt oder über das Internet haben mich immer mehr davon überzeugt, dass es einen anderen Weg gibt. Einen Weg, der den oben formulierten Zielen entspricht.

Ich will mich bemühen in Zukunft auf den verschiedensten Kanälen mehr über meine Arbeit zu berichten und über die Leute und Bewegungen, die mich beeinflussen. An dieser Stelle schon mal die wichtigsten Ansätze:

Die Permakultur

Die Permakultur setzt sich  mit Landnutzungskonzepten auseinander, die natürliche Ökosysteme zum Vorbild nehmen und integriert den Menschen mit seinen Bedürfnissen in diese Konzepte.

In Deutschland ist diese Szene zwar schon lange am Start aber leider ohne große Erfolge im Sinne vorzeigbarer Projekte. Das ist außerhalb Deutschlands anders: Australien, USA, Schweden, auf dem afrikanischen Kontinent und in Asien gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Farmen, die sich auf die Permakulturprinzipien beziehen.

Weitere Infos hier: http://permakultur-info.de/permakultur/

Das Savory-Institut

Benannt nach dem Großreservats-Ökologen Allen Savory, befasst sich dieses Institut mit Naturschutz- und Landnutzungskonzepten, die sich das Weideverhalten großer Tierherden in ihrer natürlichen Umwelt zum Vorbild nehmen. Dieses natürliche Weideverhalten unterscheidet sich drastisch von den derzeit üblichen Weidesystemen. Auch die viel gelobte Extensivweide ist in diesem Zusammenhang nur als eine etwas bessere Variante eines falschen Systems zu betrachten.

Interessanter Weise findet man in ursprünglichen Savannen und Prärien eine enorme Fruchtbarkeit, die auf mächtigen Humushorizonten aufbaut. Sie sind nicht deswegen so fruchtbar, weil dort schon immer Humus war. Nein, der Humus entstand durch das Zusammenspiel von Graslandschaft und dieser speziellen Art der Beweidung. Dieser Effekt ist kopierbar und auf unser Nutzvieh übertragbar – das „kontrollierte Weidemanagement“, das „ganzheitliche Weidemanagement“, wird diese Art der Tierhaltung genannt – es hat viele Namen, da dieser Ansatz noch recht neu ist.

Weitere Infos hier: http://www.savory.global/

Die Polyface Farm

Die Polyface Farm wird von einem der wohl innovativsten Landwirte unserer Zeit geführt: Joel Salatin. Seit Ende der Sechziger Jahre betreibt er eine Landwirtschaft in den USA, die sich nie am Zeitgeist orientierte. Joel hat die abgedroschene Forderung  „mit der Natur statt gegen sie zu arbeiten“ immer und immer wieder zur Orientierung seines Handelns gemacht. Dabei sind auf seiner Farm fein verwobene Abläufe entstanden, die den Aufwand gering und die Erträge außergewöhnlich hoch halten.
Dabei ist das ursprünglich arme Land immer fruchtbarer und artenreicher geworden.

Weitere Infos hier: http://www.polyfacefarms.com/

Jean-Martin Fortier and Curtis Stone

Beides sind kanadische Gärtner. Der eine bewirtschaftet eine kleine Gärtnerei im ländlichen Umfeld einer Stadt. Der andere arbeitet mitten in der Stadt in den Vorgärten seiner Nachbarn (!). Beides sind Ökogärtner. Beide arbeiten mit technisch einfachsten Mitteln aber hochgradig intelligent auf kleinster Fläche und beide wirtschaften hochgradig profitabel. So macht der Beruf des Gemüsegärtners wirklich Spaß.

Beide haben Bücher geschrieben, in denen sie sehr offen mit ihrem KnowHow umgehen und der Youtube-Kanal von Curtis gehört zum besten auf diesem Gebiet, was ich kenne.

Weitere Infos zu Jean-Martin hier: http://themarketgardener.com/

Weitere Infos zu Curtis hier: http://theurbanfarmer.co/

Sepp Braun

Als letzter sei in dieser Reihe ein deutscher Landwirt genannt – nicht weil er weniger bedeutsam ist. Ich will mit ihm abschließen, weil Sepp eigentlich VIEL mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als er sie momentan bekommt. Nur einer gewissen Szene von Biobauern ist er bekannt. Aber seine Arbeit ist derart wertvoll, dass er völlig gleichberechtigt in diese Reihe von Vorbildern gehört. Vielleicht sollte man ihn sogar besonders hervor heben. Leider gibt seine Homepage nur andeutungsweise wieder, wie komplex er denkt und handelt und er schreibt er auch keine Bücher. Aber er hält beeindruckende Vorträge und gibt mitreißende Betriebsführungen. Auf einer tief empfundenen Christlichkeit, die auch ein oller Agnostiker wie ich spüren kann, baut er seine Tätigkeit auf. Ergebnis ist ein vielfältiger Bauernhof, auf dem Pflanze und Tier wichtige Teile eines Ganzen sind. Und er bezieht bei den Tieren auch die wilden Tiere und bei den Pflanzen auch die wilden Pflanzen ein – ich habe noch nie solche Getreidefelder gesehen – bunt, brummend, ertragreich – alles auf einmal.