Ein Gärtner auf dem Weg zur Arbeit

Gärtnerei Schnelles Grünzeug – Unternehmen des Jahres 2017? Eine Bewerbung!

Die 10 besten Unternehmen der Foodbranche

Ich habe es geschafft: meine Gärtnerei Schnelles Grünzeug gehört zu den 10 besten Unternehmen, die im Rahmen des Best of the Best Awards der Chef-Sache in Düsseldorf zum „Unternehmen des Jahres 2017“ nominiert worden sind.

Wenn man sieht, wer die anderen Unternehmen sind, bin ich sehr stolz, dass mir dies mit meiner kleinen Gärtnerei gelungen ist. Im Vergleich zu den anderen Nominierten ist die wirklich klein – mit nur einer Handvoll Angestellten und einer weiteren Handvoll Kunden. Es ist meines Wissens auch das einzige Unternehmen, das wirklich noch explizit handwerklich arbeitet.

Die anderen Anwärter sind tolle und vorbildliche Unternehmen. Kreative Branchengrößen – eben schon jetzt die Besten der Besten:

Bäcker Gaues, Bos Food, Deutsche See, FrischeParadies, Keltenhof, Otto Gourmet, Port Culinaire, Rungis Express und Transgourmet!

Und trotzdem will ich in die nächste Runde gewinnen, denn es wird höchste Zeit, dass auf der ChefSache mal eine handwerklich arbeitende Gärtnerei ausgezeichnet wird! Warum es höchste Zeit wird, das schreibe ich weiter unten.

Vorher möchte mich dafür entschuldigen, dass die nächsten Zeilen wahrscheinlich sehr unbescheiden klingen. Aber klappern gehört nun mal auch zum Handwerk.

Weshalb sollten Sie für mich stimmen?

Produktinnovation seit 20 Jahren

Ich glaube, dass ich wie kein zweiter die deutsche (eigentlich europäische) Welt der Küchenkräuter aufgemischt habe. Schon lange vor der Nordic Cuisine war ich in dieser Richtung aktiv. Ich habe Grünzeug in die Gastronomie eingeführt, die heute zu den Klassikern zählen: Bronzefenchel, Johannisbeerholz, Sauerklee, Vogelmiere und Eisbegonien. Die geringelte Chioggia-Bete habe ich in Deutschland verfügbar gemacht und vieles mehr. Vieles ist schon so lange her und wird heute von so vielen anderen Anbietern angeboten, dass sich kaum noch jemand an den Initiator erinnert. Das macht aber nichts, denn ich habe noch viel in petto.

Zuverlässig, kompetent, freundlich

So beliefere ich seit 20 Jahren die Topgastronomie – in bester Qualität, mit beständiger Innovationskraft, kompetent, zuverlässig und freundlich. Erst mit meinem Unternehmen Essbare Landschaften im größeren Stil, nun mit meiner Gärtnerei Schnelles Grünzeug kleiner und noch feiner.

Höhen  und Tiefen

Auch das gehört zum Unternehmertum: tiefe Täler zu durchschreiten und anschließend gestärkt aus ihnen hervorgehen. Eigentlich eine doppelte Metapher: einmal für meine kräutersuchende Tätigkeit, hier aber eher unternehmerisch gemeint. Denn ich habe schwere Zeiten hinter mir. Drei Jahre lebte ich unter Harz-IV-Niveau, um meine Firma zu retten. Das ist mir nicht gelungen. Aber ich habe die Essbaren Landschaften ordentlich abgewickelt und bin niemandem etwas schuldig geblieben. Sogar die Freundschaft zu meinem Ex-Kompagnon Ralf Hiener hat Bestand! Etwas, über das ich mich besonders freue.
Mit der neuen Gärtnerei bin ich seit 2014 aus diesem Tal herausgestiegen. Und diese Gärtnerei – Achtung! Wortspiel – floriert!

Umweltschutz als Produktionsmittel

Kennen Sie eine Gärtnerei, die sich nebenbei um die Wiederbelebung geschädigter Böden kümmert? Und die sich in diesem Zusammenhang Gedanken macht, wie CO2 in riesigen Mengen zu Humus umgewandelt werden kann und die auf diese Art gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit steigert sowie dessen Wasserrückhaltevermögen? Eine, die erfolgreich im Guerillastil Bäume pflanzt, um die Artenvielfalt in den Industrie-Agrarsteppen des Nordostens zu steigern?

All dies praktiziere ich seit fast 20 Jahren. Und all dies bildet die Produktionsgrundlage für mein Grünzeug.

Überschüsse aufwerten

Seit zwei Jahren kümmere ich mich nun um die Verarbeitung von Überschüssen aus meiner eigenen und die der benachbarten Bio-Gärtnereien. Über die Milchsäure-Fermentation entstehen haltbare Produkte. In der Produktkombination liegt das eindeutige Schwergewicht auf der Verwendung regionaler Rohstoffe – eigentlich entstehen pure Trebeltal-Produkte. Denn rund um den Trebelfluss wachsen die Rohstoffe in einer Region, die in ihrer Ursprünglichkeit in Deutschland ihresgleichen sucht.

In diesem Zusammenhang entsteht nun unmittelbar neben meiner Gärtnerei das „Zentrum für Gemüsefermentation im Trebeltal“. Aber es reicht, wenn Sie es „FermenteBude“ nennen ;-).

Schnelles Viehzeug

Und noch während diese Fermentebude entsteht, gehe ich bereits das nächste Projekt an: die Gemüsegartenpflege mittels Masthähnchen. Dies, um den Arbeitsaufwand in der Gärtnerei zu reduzieren, Gartenunkräuter sinnvoll zu verwandeln, Schädlinge zu bekämpfen und den Boden zu düngen. Perspektivisch soll das ein integraler Bestandteil eines größeren Hühnermastprojektes werden – auf den umliegenden Flächen der Gärtnerei. Mit den Hühner wird dort die Bodenfruchtbarkeit gesteigert. Die Grünflächen geben mehr Ertrag und den kann ich nutzen, um mit dem gewonnenen Mulchmaterial meine Gemüsebeete zu mulchen.

Die Hühner aber bekommen jeden Tag einen neuen Auslauf und werden nur mit angekeimtem Getreide, frischem Kräutergrün und Unkrautsaatgut gefüttert. Auch das dürfte einmalig sein in Deutschland. Quasi nebenbei soll so bestes Hähnchenfleisch für deutsche Gastronomen und private Haushalte entstehen.

Geschlachtet wird freilich direkt vor Ort.

Synergien

Ganz schön viel das alles? Ja! Aber jedes Teilprojekt ist ein Puzzleteil. Eins greift ins andere. Synergien entstehen. Die senken den Gesamtaufwand. Und natürlich steigern sie den Ertrag, der es mir ermöglicht, weitere Arbeitsplätze zu schaffen in dieser sehr schönen aber nicht ganz problemfreien Region Vorpommern.

Handwerkliche Gärtner – eine bedrohte Rasse

Aber warum wird es nun höchste Zeit, eine Gärtnerei auf einem so bedeutenden Köche-Symposium auszuzeichnen?

Ganz einfach: mein Beruf, der des Gemüsegärtners ist akut vom Aussterben bedroht. Noch viel mehr als der des Kochs. Denn uns Gärtnern ist es bisher nicht gelungen, diese atemberaubende Publicity zu bekommen, die der Beruf des Kochs in den letzten Jahren erhalten hat. Es gibt keine abendfüllenden Gärtnersendungen im TV.

Junge Menschen, die Gärtner im Alltag zu Gesicht bekommen, sehen ältere Menschen, die steif über Düngeempfehlungen referieren oder wie man sein Stiefmütterchen am besten um die Ecke bringt. Oder sie begegnen ausgehärmten Biogärtnern, die vor lauter Weltrettung ihr eigenes Wohl vergessen haben. Auch zu sehen ist der Industriegärtner, der sein Leben lang nichts anderes macht, als noch das letzte Quäntchen Optimierungspotential aus seiner energieverschlingenden Tomatenanlage zu quetschen.
All das erzählt nichts von der Schönheit des Berufs, die es durchaus gibt, wenn man ihn nur richtig angeht. Junge Menschen erfahren nicht, wie befriedigend es ist, sich bei Wind und Wetter draußen körperlich zu verausgaben, um am Abend, im wörtlichen Sinne, die Früchte seiner Arbeit zu sehen.
Sie erfahren nicht, dass diese Verausgabung – richtig umgesetzt – besser ist als jedes Fitnessprogramm in miefigen Sportstudios.
Sie bekommen auch nirgends mit, wie abwechslungsreich unser Beruf ist – jeden Tag warten neue Aufgaben. Die Herausforderungen gehen dabei weit über das gefürchtete Unkrautzupfen hinaus und dies kann man ohnehin vermeiden, wenn man es richtig anstellt. Als Gärtner ist man Biologe, Naturforscher, Handwerker, Marketingexperte und natürlich auch Computergenie in einem.
Und über den Zyklus der Jahreszeiten kommt man jedes Jahr von neuem in die Situation, dass im letzten Jahr gelernte live zu überprüfen. Und trotz des Tatendrangs, der jedem Gärtner innewohnen sollte, lehrt einem die Natur Geduld und die Tätigkeit des Meditierens.

Wenn ich diesen Preis gewinne, möchte ich ihn nutzen, diese Schönheit und die Bedeutung unseres Berufs publik zu machen. Das nutzt dann auch wieder in nicht zu ferner Zukunft hoffentlich den Köchen, wenn sie auf junge, begeisterte Gärtner treffen – und hoffentlich auch auf Gärtnerinnen.

Und hier geht’s direkt zur Abstimmung – leider dürfen in meiner Kategorie nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus gastronomischen Betrieben abstimmen: Best-of-the-Best-Awards der Chef-Sache